
Foto: Lila la Loop
Wissen aus der Werdener Klostermedizin
Wermut war eines der stärksten Bitterkräuter der Klostermedizin. Sein Name stammt vom mittelhochdeutschen wermuote, was „guter Mut“ bedeutete. Schon in der Antike galt er als Pflanze, die „den Magen stärkt und den Geist klärt“. Die Benediktiner von der Abtei Werden im Ruhrtal nahe dem heutigen Baldeneysee übernahmen dieses Wissen und nutzten Wermut besonders bei Verdauungsbeschwerden, Schwäche und zur Reinigung des Körpers. Kein Wunder also, dass Wermut in klösterlichen Kräuterbüchern als „König der Bitterkräuter“ bezeichnet – ein Hinweis auf seine starke Wirkung und seine Bedeutung in der Heilkunde.
Anbau und Struktur im Benediktiner-Garten
Wermut bevorzugt sonnige, trockene Standorte und gedeiht besonders gut in mageren Böden. Typische Merkmale seines Anbaus ist die Pflanzung in trockenen Kräuterbeeten, oft neben Eberraute oder Andorn, die ähnliche Ansprüche an den Untergrund haben. Wermut zeichnet sich durch robuste, winterharte Stauden aus, die wenig Pflege benötigen. Ein regelmäßiger Rückschnitt hält die Pflanze kompakt. Wermut war und ist ein zuverlässiges Kraut, das reichlich Ernte liefert.
Wermut als Heilkraut – Wirkung und Verwendung
Wermut war eines der wichtigsten Bitterkräuter im Kloster. Zu den typischen Anwendungen zählten: Wermuttee zur Verdauungsförderung, Bittertinkturen aus Wermut zur Stärkung des Körpers, Wermutwein als klassisches Stärkungsmittel sowie Aufgüsse zur Reinigung der Haut. Er galt als Kraut, das „den Körper reinigt und die Lebensgeister stärkt“, daher wurde Wermut gegen „Melancholie“ empfohlen. Da sein Duft Schädlinge fernhält, war sein Geruch von unschätzbarem Wert für die Insektenabwehr.
Wermut in der Küche
In der Küche wurde Wermut hingegen sehr sparsam verwendet. Sein Geschmack ist intensiv und bitter und galt daher lediglich als Zutat für Kräuterweine, Bitterliköre und aromatisierte Öle. Wermut wurde und wird als Aperitif geschätzt und ist in Frankreich seit Jahrhunderten eine traditionelle Zutat der Haute Cuisine. Noilly Prat, der berühmte, französische Wermut ist Namensgeber der gleichnamigen Sauce und gleichermaßen Bestanteil der Sauce Vermouth sowie einer Beurre blanc. Edlen Fisch- und Meeresfrüchtegerichten wie Poissons à la crème, Jakobsmuscheln mit Wermut-Butter bzw. Seeteufel oder Seezunge in Wermut-Sahne-Sauce verleiht er eine unverwechselbare Aromendichte.
Wermut als Gewürz- und Duftkraut
Wermut besitzt einen starken, aromatischen Duft. Die Benediktiner verwendeten ihn als Räucherwerk, zur Insektenabwehr, in Duftkissen. Sein Aroma galt als reinigend und schützend. Als spirituelle und symbolische Pflanzen wurde Wermut mit Reinigung, Klarheit und Schutz assoziiert. Er galt als Kraut, das „den Weg des Geistes klärt“. Wermut war eines der stärksten Heilkräuter im Klostergarten.
Vorsicht bei der Anwendung
Wermut wirkt wehenfördernd und daher nicht für Schwangere geeignet. Wermut niemals langfristig oder hoch dosiert einnehmen: der Bestandteil Thujon kann in großen Mengen neurotoxisch wirken. Seine Inhaltsstoffe sind neben Thujon unter anderem Bitterstoffe (Absinthin), Ätherische Öle, Flavonoide sowie Gerbstoffe. Diese Kombination macht Wermut so wirksam – aber auch potenziell riskant für und bei Überdosierung. Beim legendären und sagenumwobenen Absinth – dem „grünen Gold“ Ist Wermut Hauptbestandteil. In Künstlerkreisen inspirierte Absinth im 19. und 20. Jahrhundert Künstler wie Van Gogh – und ruinierte viele von ihnen.
Bedeutung heute
Wermut ist eine der spannendsten und geschichtsträchtigsten Heilpflanzen Europas – von Klostermedizin über Absinth-Kultur bis hin zu moderner Phytotherapie. Die Pflanze ist extrem bitter, aromatisch und voller Mythen. Heute ist Wermut vor allem aus Kräuterlikören wie bekannt. In der Naturheilkunde wird er weiterhin wegen seiner Bitterstoffe geschätzt.