
Foto: Cesar von Meissen
Ort nahe Baldeneysee, an dem die Ruhr einst pulsierte
Der Treidelplatz in Essen Werden gehört zu den unterschätzten historischen Schauplätzen des Ruhrgebiets. Dabei war dieser Platz einmal Dreh- und Angelpunkt des Transports. Direkt an (neben und unter) der heutigen Gustav Heinemann Brücke markiert er jene Stelle, an der der historische Leinpfad – der Treidelpfad entlang der Ruhr – einst die Uferseite wechselte. Dass die Ruhr zwischen 1780 und 1890 eine stark befahrene Wasserstraße war, ist heute kaum vorstellbar. Doch genau hier zogen Pferde über Jahrzehnte hinweg schwere Ruhraaken flussaufwärts. Der Treidelplatz in Essen Werden steht bis heute für die Ruhrschifffahrt in Werden. Er ist eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten in Essen Werden.
Der Leinpfad: Ein Verkehrsweg, der das Ruhrgebiet prägte
Der Leinpfad, der zwischen Duisburg und Witten bis heute nahezu vollständig erhalten ist und heute gerne mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkundet wird, war einst ein wichtiges Rückgrat der hiesigen Wirtschaft. Auf ihm bewegten Zugtiere oder Menschen schwere Transportschiffe flussaufwärts – ein Vorgang, der als „Treideln“ bezeichnet wird. Im Bereich der Papiermühlenschleuse im Löwental wurde 2022 durch Initiative der Bezirksregierung ein Abschnitt des historischen Pfads wieder sichtbar gemacht. Die Stadt Essen wollte damit die Bedeutung des Treidelns für die Entwicklung Werdens hervorheben.
Anekdote vom Flussufer
Zeitzeugenberichte erzählen, dass die Treidler oft mit den Schiffern um den richtigen Rhythmus stritten. Wenn Pferde und Bootsleute nicht im Gleichklang arbeiteten, kam es zu abrupten Stopps – und gelegentlich landete ein Schiffer und bisweilen auch ein Zugtier im Wasser. Daher führten die Treidller ein scharfes Messer mit sich, um im Bedarfsfall die bis zu 400 Meter langen Treidelseile zu durchtrennen. Das Treideln machten Werden zu einer lebhaften Hafenstadt, in der Arbeit und Anekdoten Hand in Hand gingen.
Foto: Cesar von Meissen
Werden als Hafenstadt: Ein unterschätztes Kapitel
Bis 1830 befand sich die Ruhrzoll Inspektion im Haus Heck, und der Neukircher Hafen nahe der Neukircher Mühle sorgte für regen Schiffsverkehr. Die Wartezeiten vor der Schleuse führten dazu, dass Schiffer tagelang im Ort blieben – ein Umstand, der Werden zu einer geselligen, manchmal turbulenten Hafenstadt machte. In der Nähe des Treidelplatzes befinden sich eine Reihe Sehenswürdigkeiten, die Werden bis heute zu einem beliebten Ziel machen:
Der Treidelplatz heute: Ruhe und Ruhrromantik
Heute ist der Treidelplatz ein Ort der Entschleunigung. Spaziergänger, Radfahrer und Geschichtsinteressierte treffen hier aufeinander. Der Platz ist Teil des Ruhrtalradwegs und verbindet Natur, Freizeit und Industriekultur auf einzigartige Weise. Wer hier verweilt und für einen Moment die Augen schließt, mag sich vorstellen können, wie Pferde einst am Ufer entlangzogen und Schiffer ihre Aaken durch die Ruhr manövrierten. Der Treidelplatz ist damit nicht nur ein historischer Ort, sondern ein lebendiges Stück Ruhrgeschichte.
Wissenswertes zum Schluss
Nur rund 80 der 220 Ruhrkilometer waren schiffbar – dennoch wurde Werden zu einem wichtigen Umschlagplatz. Der Leinpfad ist heute größtenteils asphaltiert, da er Teil des Ruhrtalradwegs ist. Der Name „Treidelplatz“ ist ein bewusst gesetztes Erinnerungszeichen an die Ruhrschifffahrt.











