
Foto: Cesar von Meissen
Fenster ins 12. Jahrhundert am Baldeneysee
Das Romanische Haus in der Werdener Hufergasse gehört zu den außergewöhnlichsten historischen Bauwerken in Essen. Inmitten einer Gasse, die sonst von zweigeschossigen Fachwerkhäusern geprägt ist, ragt dieses dreigeschossige Gebäude mit seinen massiven Bruchsteinmauern eindrucksvoll heraus. Das Romanische Haus zählt zu den wenigen erhaltenen Profanbauten aus dem 12. Jahrhundert, was es zu einem kulturhistorischen Schatz macht.
Hauch von Geheimnissen
Mit „Profanbau“ ist ein Gebäude gemeint, das weltlichen und nicht religiösen Zwecken dient. Der Begriff wurde und wird vor allem in der Architektur und Kunstgeschichte verwendet, um Bauwerke von Kirchen, Klöstern oder anderen sakralen Gebäuden abzugrenzen. Es wird vermutet, dass das Romanische Haus einst als Sitz der Herren von Rüttenscheid gedient haben soll, die als Dienstmannen der Werdener Abtei tätig gewesen sein sollen. Neuere Erkenntnisse lassen jedoch offen, ob das Haus möglicherweise auch andere Funktionen erfüllte. Das Haus umgibt bis heute ein Hauch von Geheimnissen, was man spürt, wenn man sich im Innern aufhält.
Lange, lebendige Nutzungsgeschichte
Neben den klassischen Wohnräumen im ersten und zweiten Obergeschoss gibt es Zwischengeschoss und einen sogenannten „Abtritt“, einen Ort in Art eines Plumpsklos, an den man sich zurückzog, um seine Notdurft zu verrichten. Besonders markant ist die südliche Giebelseite, an der sich zahlreiche Umbauten aus verschiedenen Jahrhunderten ablesen lassen. Vermauerte Eingänge, veränderte Geschosshöhen und Spuren gotischer wie romanischer Bauphasen erzählen von einer langen, lebendigen Nutzungsgeschichte, die von den unterschiedlichen Nutzern des Gebäudes erzählen.
Foto: Cesar von Meissen
Mittelalterliches Juwel in der Hufergasse
Das Romanische Haus befindet sich in der Hufergasse, einer der ältesten und atmosphärischsten Straßen der Werdener Altstadt. Die enge Gasse mit ihren historischen Fassaden führt direkt in das Herz des Stadtteils und liegt nur wenige Schritte von der Basilika St. Ludgerus entfernt. Durch seine Höhe und den massiven Steinbau hebt sich das Romanische Haus deutlich von den umliegenden Fachwerkhäusern ab und bildet einen markanten Blickpunkt in der Gassenstruktur. Die Lage macht es zu einem beliebten Ziel für Spaziergänger, Geschichtsinteressierte und Fotografen, die den mittelalterlichen Charakter Werdens erleben möchten.
| Bauwerksinformationen zum Romanischen Haus in Essen-Werden | ||
|---|---|---|
| Name | Romanisches Haus | |
| Standort | Hufergasse 7–9, Essen-Werden | |
| Bauzeit | Um 1150 (12. Jahrhundert) | |
| Bautyp | Romanischer Profanbau / mittelalterliches Wohnhaus | |
| Baustoff | Bruchsteinmauerwerk | |
| Bauweise | Dreigeschossiger Rechteckbau mit massiven Außenmauern | |
| Geschosse | 3 | |
| Vermutliche Erbauer | Wahrscheinlich die Herren von Rüttenscheid als Dienstmannen der Reichsabtei Werden | |
| Ursprüngliche Nutzung | Mittelalterlicher Wohn- und Verwaltungssitz eines adligen oder ministerialen Grundherrn | |
| Architektonische Merkmale | Romanische Rundbogenfenster, massive Bruchsteinwände und historische Giebelstruktur | |
| Besondere Funde | 1965 Entdeckung einer vermauerten romanischen Fenstergruppe mit kleinen Kapitellen | |
| Restaurierung | Freilegung und Ergänzung der romanischen Fensteranlage im Jahr 1992 | |
| Historische Bedeutung | Eines der wenigen erhaltenen profanen Gebäude aus dem 12. Jahrhundert in Deutschland | |
| Denkmalschutz | Als Baudenkmal der Stadt Essen geschützt | |
| Heutige Nutzung | Wohn- und Geschäftshaus im historischen Stadtkern von Essen-Werden | |
| Bedeutung für Werden | Wichtiger Bestandteil des mittelalterlichen Stadtbildes und bedeutendes Zeugnis der Werdener Stadt- und Abteigeschichte | |
Heutige Nutzung: Denkmal, Blickfang und geschichtsträchtiger Ort
Heute steht das Romanische Haus unter Denkmalschutz und gilt als eines der bedeutendsten historischen Gebäude Werdens. Es wurde lange als Wohnhaus genutzt und dient sondern dient vor allem als architektonisches Denkmal, das die Geschichte des Stadtteils Werden sichtbar macht. Seine markante Erscheinung mit dem massiven Mauerwerk macht es zu einem beliebten Fotomotiv und zu einem festen Bestandteil lokaler Stadtführungen.
Wohnen und Arbeiten im 12. Jahrhundert
Besucher können die Fassade und die historischen Strukturen von außen betrachten und so einen Eindruck davon gewinnen, wie Wohnen und Arbeiten im 12. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Im Erdgeschoss befindet sich eine Gastronomie, sodass auch ein Verweilen an Ort und Stelle möglich ist.

