
Foto: Lila la Loop
Kraut aus der Benediktiner-Klostermedizin
Liebstöckel, im Volksmund auch „Maggikraut“ genannt, war in Benediktinerabteien ein unverzichtbares Heilkraut. Schon früh wurde es in klösterlichen Kräuterbüchern als „wärmendes und stärkendes Kraut“ beschrieben, das den Körper belebt und die Verdauung fördert. Die Benediktiner der Abtei Werden im heutigen Essener Süden nahe dem Baldeneysee schätzten Liebstöckel besonders wegen seiner kräftigenden Wirkung auf Magen und Darm. In vielen Handschriften wird es als Kraut erwähnt, das „den Bauch beruhigt und die Lebenskräfte stärkt“. Sein intensives Aroma machte ihn zudem zu einem wichtigen Bestandteil der klösterlichen Küche — ein Kraut, das Heilung und Genuss miteinander verband.
Liebstöckel – Anbau und Gartenstruktur
Liebstöckel bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Böden und wurde in Klostergärten meist in den feuchteren Bereichen des Hortus Medicus angebaut. Hohe, imposante Staude, die bis zu zwei Meter erreichen kann ist eines der typischen Merkmale beim Anbau dieser Pflanze. Es sollte also Platz vorhanden seine und eine Pflanzung in hinteren Beetreihen ist ebenfalls angeraten, um kleinere Kräuter nicht zu beschatten. Zusätzlich ist eine regelmäßige Bodenpflege unabdingbar, da Liebstöckel viele Nährstoffe benötigt. Bei der Kultivierung ist eine Kombination mit Sellerie oder Petersilie möglich, die diese ähnliche Standortansprüche haben. Die Pflanze war und ist langlebig und kann viele Jahre ohne Probleme im selben Beet stehen.
Wirkung und Verwendung
Liebstöckel war bei den Benediktinern ein wichtiges Heilmittel bei Verdauungsbeschwerden. Ein Tee aus Blättern oder oder aus Wurzeln wurde bei Blähungen, Völlegefühl und Magenkrämpfen getrunken. Ein Wurzelabsud galt der Stärkung nach Krankheiten. Auch die Samen wurden verwenden. Sie wurden als wärmendes, anregendes Heilmittel geschätzt. Bei Muskelverspannungen dienten Einreibungen als das Mittel der Wahl. Liebstöckel galt als Kraut, das „den Bauch wärmt und die Lebensgeister stärkt“.
Liebstöckel in der Küche
Bereits die Benediktiner erkannten, dass Liebstöckel in der Klosterküche unverzichtbar war und so wurde das Kraut in großem Stil zum Kochen und Würzen von Speisen verwendet. Es galt als Grundgewürz für Suppen und Eintöpfe, war unverzichtbar in Gemüsegerichten, als Aromengeber in Kräuterölen, nicht zu vergessen als Geschmacksgeber in Fastenspeisen. Sein kräftiges, würziges Aroma verlieh vielen Gerichten Tiefe und Würze. Als natürlicher Umami-Lieferant ist der herzhafte, leicht sellerieartige Geschmack das Hauptmerkmal der industriell gefertigten Maggi-Würze.
Gewürz- und Duftkraut
Liebstöckel besitzt nicht nur einen intensiven, würzigen Geschmack, sondern einen ebensolchen Duft. Dieser wurde genutzt für Kräuterbündel, aromatische Essige und Würzsalze. Sein Duft galt als wärmend und anregend und wurde auch im spirituellen und symbolischen Sinne mit Lebenskraft, Wärme und Vitalität assoziiert. So galt Liebstöckel bei den Benediktinern als Kraut, das „Herz und Bauch stärkt“ und schätzten es als eines der vielseitigsten Kräuter im Klostergarten. Heute ist Liebstöckel ein Klassiker in Küche und Naturheilkunde. Er ist und bleibt ein Symbol für eine kräftigende, einfache und gesunde Ernährung.