
Foto: Lila la Loop
Einführung in die Klostermedizin
Die Honigmelone war im mittelalterlichen Europa eine besondere Kostbarkeit. Sie gelangte über Handelswege aus dem Mittelmeerraum in die Klostergärten nördlich der Alpen, so auch in die Abtei Werden im Ruhrtal und wurde dort mit großer Sorgfalt kultiviert. Die Benediktiner schätzten sie als kühlende, stärkende und feuchtigkeitsspendende Frucht, die besonders in den warmen Sommermonaten als Heil- und Nahrungsmittel diente. In der Klostermedizin galt die Honigmelone als „sanfte Erfrischerin“, die den Körper beruhigt, Hitze ausgleicht und den Organismus nach langen Fastenzeiten stärkt. Ihre Süße wurde als Zeichen ihrer nährenden Kraft interpretiert – ein Geschenk der Natur, das Körper und Seele gleichermaßen erfreut.
Anbau im Klostergarten
Die Honigmelone benötigte viel Wärme und Licht, weshalb sie in Benediktinerabteien bevorzugt in geschützten Bereichen des Gartens angebaut wurde – oft an Mauern, die tagsüber Wärme speicherten und nachts wieder abgaben. Die Mönche wählten warme, sonnige Standorte aus, häufig in Südlagen. Lockere, humusreiche Böden hatten und haben die Eigenschaft, Wärme gut zu speichern. Gepflanzt wurde auf Hügelbeeten, um Staunässe zu vermeiden. Stroh oder Mulch diente als Schutz, um die Früchte trocken zu halten. Die Bewässerung erfolgte regelmäßig, jedoch ohne die Blätter zu benetzen. Die Melone war zwar anspruchsvoll, aber die Mühe lohnte sich: Ihre Früchte galten als Delikatesse und Heilmittel zugleich.
Honigmelone – Wirkung und Verwendung
In der Klostermedizin wurde die Honigmelone vor allem wegen ihrer kühlenden und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften geschätzt. Das frische Fruchtfleisch diente zur Kühlung des Körpers bei Hitze oder auch bei Fieber. Melonensaft sollte den Magen beruhigen. Melonenstücke gegen Verstopfung wirken. Melonenkerne wurden getrocknet, pulverisiert und zur Reinigung der Harnwege verwendet. Die Benediktiner sahen in der Melone ein Heilmittel, das besonders in den Sommermonaten den Körper ins Gleichgewicht bringt In der Klosterküche wurde die Honigmelone vor allem frisch verzehrt: als erfrischende Vorspeise, in Obstschalen und Süßspeisen, in Honig eingelegt als besondere Delikatesse und als Bestandteil von Festtagsgerichten. Ihre feine Süße war im Mittelalter etwas Besonderes, da Zucker selten und teuer war.
Gewürz- und Duftbestandteil
Als Duftkraut hingegen spielte die Honigmelone keine große Rolle, wenn auch ihr frischer, süßer Geruch geschätzt wurde. In einigen Klöstern wurden getrocknete Melonenschalen in Duftschalen gelegt, um Räume zu erfrischen. In spiritueller und symbolischer Hinsicht wurde die Melone als Symbol für Fülle, göttliche Gaben und Lebensfreude gesehen. Ihre runde Form und ihr süßes Inneres galten als Sinnbild für die Güte Gottes, die im Verborgenen wächst.
Verarbeitung und Anwendungen
Die Benediktiner konservierten die Honigmelone für die Wintermonate als getrocknete Fruchtstücke, Melonenhonig (Melasse), eingelegte Früchte, Saft und Sirup sowie Heilpulvern aus den Kernen. Sie war ein vielseitiges Lebensmittel, das sowohl im Alltag als auch an Festtagen und in der Heilkunde genutzt wurde.
Bedeutung heute
Kaum jemand weiß, dass es die Benediktiner waren, die das Obst bereits im Mittelalter in unseren Breitengraden kultivierten. Heute kennen wir die Honigmelone als beliebtes Sommerobst. In historischen Klostergärten wird sie wieder häufiger angebaut, um die Vielfalt der mittelalterlichen Pflanzenwelt zu zeigen. So auch im Garten der Abtei Werden am Baldeneysee.