
Foto: Cesar von Meissen
Spätbarockes Gartenhaus Dingerkus wird zum kulturellen Treffpunkt
Versteckt am Pastoratsberg im Essener Stadtteil Werden, fussläufig zum Baldeneysee, liegt ein architektonisches Juwel, das wie aus der Zeit gefallen scheint: das Gartenhaus Dingerkus. Errichtet um 1790 vom abteilichen Kanzleidirektor Johann Everhard Dingerkus, ist das zweigeschossige Gartenhaus bestes Beispiel spätbarocker Baukunst. Der nahezu quadratischen Grundriss und das mit Schieferplatten eingedeckte Mansardendach sowie die blass-gelbe Farbgebung sind typisch für diese Kunst- und Achitekturepoche.
Spätbarock und Rokoko
Die Epoche des Spätbarock erstreckt sich ungefähr von 1710/1720 bis etwa 1760/1790, je nach Region und kulturellem Kontext. Damit bildete sie die letzte Phase der Barockzeit, die fließend in das Rokoko überging. Das Rokoko wird bisweilen als Teil des Spätbarocks betrachtet oder als dessen Weiterentwicklung interpretiert. Am Baldeneysee im Essener Süden finden sich zwar nur wenige explizit spätbarocke Gebäude, doch einige historische Bauten in der Umgebung tragen Elemente dieser Epoche oder stammen aus angrenzenden Stilrichtungen wie Rokoko oder Frühklassizismus. Besonders hervorzuheben sind neben dem Dingekushaus:
Foto: Cesar von Meissen
Schloss Baldeney und Alte Abtei Werden
Das Schloss Baldeney, am Nordufer des Baldeneysees im Stadtteil Bredeney gelegen, ist eines der ältesten und bedeutendsten Bauwerke der Region. Es entstand aus einer mittelalterlichen Wasserburg und wurde über die Jahrhunderte mehrfach erweitert und umgestaltet. Erste feste Gebäude stammen aus dem 13. Jahrhundert, darunter der Wohnturm aus dem 14./15. Jahrhundert. Die Seitenflügel des Schlosses wurden im 17. und 18. Jahrhundert angebaut – also in der Zeit des Hoch- und Spätbarocks. In unmittelbarer Nähe zum Gartenhaus Dingerkus finden sich ein weiteres, spätbarockes bzw. barock beeinflusste Bauwerk: Teile des Abteigebäudes, der ehemaligen Benediktinerabtei Werden, stammen aus dem 18. Jahrhundert und zeigen barocke Bauformen, insbesondere in der Fassadengestaltung und Raumstruktur.
Ruhrsandstein und mittelalterliche Gewölbe
Das Haus Heck besteht aus einem zweigeschossigen Wohnbau mit ausgebautem Dachgeschoss und einem mächtigen Rundturm. Beide Gebäudeteile wurden aus Bruchsteinen des heimischen Ruhrsandsteins errichtet – seinerzeit ein typisches Baumaterial der Region. Außergewöhnlich sind die erhaltenen Tonnengewölbe im Keller sowie die kunsthistorisch bedeutenden Mosaikfußböden aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Fensteröffnungen des Turms wurden erst 1929 hinzugefügt. Hierzu nutzte man die vorhandenen Schießscharten.
Daten und Fakten zum Baudenkmal „Gartenhaus Dingerkus“
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Name | Gartenhaus Dingerkus |
| Standort | Brandstorstraße, 45239 Essen-Werden |
| Erbauung | 1790 durch Kanzleidirektor Johann Everhard Dingerkus |
| Architektur | Spätbarock, zweigeschossig, quadratischer Grundriss (ca. 5 × 5 m), Mansardendach |
| Gartenfläche | Ursprünglich ca. 4000 m², heute ca. 400 m² erhalten |
| Denkmalschutz | Seit 1994 unter Denkmalschutz |
| Besonderheiten | Historisches Ensemble mit Fokus auf Kunst, Kultur und Gartenpflege wie vor 200 Jahren |
| Öffnungszeiten | Mai–Oktober, jeweils am 1. Sonntag im Monat geöffnet |
| Veranstaltungen | Tag des offenen Denkmals, Erntedankfest, Frühlingserwachen u.v.m. |
| Verein | Freundeskreis Gartenhaus Dingerkus e.V. – ehrenamtliche Pflege, Organisation & Kulturarbeit |
Alle Informationen erfolgen ohne Gewähr.
Dicke Bohnen mit Werdener Speck
Zurück zum Dingerkushaus. Ursprünglich befand sich das Gebäude auf einem großzügigen, rund 4000 Quadratmeter großen Grundstück, das sich bis zur Ruhr erstreckte. Der Garten war ein Ort des Rückzugs und der Geselligkeit – hier traf sich die Familie Dingerkus bei „Schälgen Tee oder Kaffee“, beobachtete die Ruhraaken und genoss regionale Spezialitäten wie „Dicke Bohnen mit Werdener Speck“. Die einstige Sichtachse zur Ruhr ging im 19. Jahrhundert durch die Bebauung des Wesselswerth verloren. Heute ist dadurch nur ein sehr kleiner Teil des ehemaligen Gartens erhalten.
Denkmal Dingerkushaus
Seit 1994 steht das Ensemble unter Denkmalschutz. Doch erst durch das Engagement des Freundeskreises Gartenhaus Dingerkus e. V., der sich seit 2010 der Wiederherstellung widmet, wurde das Haus zu neuem Leben erweckt. Mit Unterstützung der NRW-Stiftung und der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung wurde das Gebäude restauriert und ist seit 2017 wieder öffentlich zugänglich.
Foto(s): Frank Vincentz, lizenziert unter CC BY 3.0 | Quelle: wikimedia.org
Ort für Kunst und Kultur
Heute dient das Dingerkushaus nicht nur als Denkmal vergangener Lebensart, sondern auch als Ort für Kunst und Kultur. Aktionstage, Führungen und Veranstaltungen wie das Erntedankfest oder der Tag des offenen Denkmals machen das Haus zu einem Treffpunkt für die Werdener Bürgerschaft und alle anderen Interessierten. Es ist angedacht, den Garten wieder so zu bepflanzen wie einst, vor über 200 Jahren – mit historischen Sorten im Sinne der ursprünglichen Nutzung.
Fazit
Das Dingerkusshaus ist damit nicht nur ein architektonisches Kleinod, sondern auch ein Symbol für bürgerschaftliches Engagement und kulturelle Identität im Ruhrgebiet.




