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evangelische kirche am markt kettwig an der ruhr baldeneysee

Foto: Cesar von Meissen

Historisches Wahrzeichen im Herzen der Kettwiger Altstadt

Mitten im historischen Ortskern von Kettwig, dem idyllischen Stadtteil im Essener Ruhrtal, erhebt sich die Evangelische Kirche am Markt – oft schlicht Marktkirche genannt – als ein Wahrzeichen reicher Geschichte und lebendiger Gegenwart. Dieses Gotteshaus ist nicht nur spirituelles Zentrum der Gemeinde, sondern ebenso ein bedeutendes Kulturgut, das eng mit der Entstehung und Entwicklung Kettwigs verbunden ist. Oberhalb der Ruhr im Ortskern von Kettwig gelegen, steht die Kirche an jener Stelle, an der vor Jahrhunderten die erste Siedlung entstand. Ihr Standort auf einer erhöhten Anhöhe bot Schutz und Sichtkontrolle über den Fluss und wurde zur Keimzelle des heutigen Stadtteils im Süden der Ruhrmetropole. Baldeneysee.Ruhr beleuchtet die interessante Geschichte dieses untypischen, evangelischen Gotteshauses.

Aktuelle Gottesdienste in der Evangelischen Kirche am Markt Kettwig

Tag Gottesdienst
Sonntag, 10:30 Uhr Regulärer Gottesdienst in der Evangelischen Kirche am Markt in Kettwig (bis ca. 11:30 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Bewegte Geschichte – Vom Mittelalter bis zur Moderne

Erstmals urkundlich erwähnt wurde an dieser Stelle bereits im Jahr 1199 eine Pfarrei unter dem Patronat der mächtigen Abtei Werden – damals noch als katholische Kirche St. Petrus. Die mittelalterliche Kirche erlebte turbulente Zeiten: Die Reformation im 16. Jahrhundert führte zum konfessionellen Wandel hin zu einer reformierten evangelischen Gemeinde und erklärt, warum das Bauwerk nach katholischer Konfession anmutet. Diese Umbrüche waren begleitet von gewaltsamen Ereignissen. Im Zuge der religiösen Konflikte kam es mehrfach zu Plünderungen und Brandstiftungen, besonders gravierend während des Dreißigjährigen Krieges, der 1648 sein zerstörerisches Ende fand. Die Vorgängerkirche wurde dabei mehrmals schwer beschädigt bzw. zertrümmert.

Der barocke Neubau, der bis heute besteht, entstand zwischen 1719 und 1721. Unter der Leitung des Maurermeisters Adam Wunderlich aus Iserlohn entstand ein Kirchengebäude, das nicht nur architektonisch zeitgemäß war, sondern auch die Identität der Gemeinde widerspiegelte. Der Bau wurde durch Eigenleistungen der Gemeindemitglieder, großzügige Spenden reformierter Gemeinden aus dem Rheinland bis in die Niederlande hinein sowie einen preußischen Königszuschuss finanziert. Diese enorme Kostenlast hinterließ eine langjährige Verschuldung.

Schwer getroffen wurde die Kirche erneut im Zweiten Weltkrieg: Am 2. April 1945 schlug eine Granate in das Kirchendach ein. Trotz der schwierigen Nachkriegszeit begann ab Herbst 1945 der behutsame Wiederaufbau. Weitere Sanierungen, wie die Dacherneuerung in den 1980er Jahren und eine umfassende Mauerwerkssanierung 2006, gewährleisteten die Erhaltung dieses einzigartigen Baudenkmals.

Architektur: Meisterwerk bergisch-reformierter Baukunst

Die Evangelischen Kirche am Markt repräsentiert die bergisch-reformierte Predigtkirche im Barockstil, eine Bauweise, die ganz auf das Gott und die Gemeinschaft ausgerichtet ist. Besonders hervorzuheben ist der stattliche Westturm, der älteste erhaltene Teil der Kirche und zugleich das älteste Bauwerk Kettwigs überhaupt. Seine massiven Mauern, deren Stärke bis zu 1,40 Meter misst, wurden bereits im frühen 13. Jahrhundert errichtet und prägen mit ihrer 40 Meter Höhe maßgeblich das Ortsbild.

Foto: Cesar von Meissen

Das Kirchenschiff, gefertigt aus regionalem Ruhrsandstein, ist ein Ausdruck stilistischer Eleganz mit seinen großen Rundbogenfenstern, die viel Tageslicht hereinlassen und somit eine helle, einladende Atmosphäre schaffen. Mit Maßen von etwa 24,60 mal 16,40 Metern bietet die Kirche einerseits einen ausreichend großen Raum für die Gemeinde, bleibt dabei aber gleichzeitig überschaubar und persönlich.

Das gelungene Ensemble wird durch die unmittelbare Umgebung maßgeblich geprägt: Bis 1823 lag hier der kommunale Friedhof, und vor dem Kircheneingang wacht seit 1917 die Luther-Eiche, gepflanzt zum 400-jährigen Reformationsjubiläum. Dieses lebende Denkmal verbindet Natur und Erinnerung und steht sinnbildlich für den tief verwurzelten Glauben in der Region.

Innenansichten: schlicht und mit barocker Bedeutung

Der Innenraum der Kirche folgt der reformierten Tradition einer Predigtkirche: schlicht, funktional und ganz auf das Hören des Predigen des Gotteswortes ausgerichtet. Ursprünglich prägte eine weiße Holztonnendecke das Raumgefühl, doch nach sanierenden Maßnahmen in der Nachkriegszeit wurde diese entfernt, um die schöne natürliche Sandsteinstruktur der Wände sichtbar zu machen. Die heute verputzte Spalierlattendecke harmoniert mit dem warmen Sandsteinton und vermittelt zudem ein Gefühl von Offenheit und Klarheit.

Ein künstlerisches Highlight bildet die barocke Kanzel von 1721, geschaffen vom Meister Balthasar. Ihr kunstvoll gestalteter Schalldeckel wird von einer Pelikanskulptur gekrönt – ein kraftvolles Symbol christlicher Liebe und Selbstaufopferung. Diese Kanzel ist nicht nur liturgisches Zentrum der Predigt, sondern auch ein wertvolles Kunstwerk, das barocke Handwerkskunst und Glaubensinhalte meisterhaft verbindet.

Musikalisch erhebt sich auf der Empore die Weidtmann-Orgel, deren Rokokogehäuse aus dem Jahr 1749 stammt. Während das Äußere historisch geblieben ist, wurde das Instrument selbst 1963 modernisiert. Mit drei Manualen, 34 Registern und insgesamt 2.735 Pfeifen ermöglicht sie vielseitige Konzert- und Kirchenmusik, die das geistliche Leben bereichert und Besucher aus nah und fern anzieht.

Klangvolle Zeugen der Zeit

Im Turm erklingen fünf Glocken, die akustisch und historisch besonders sind. Drei große Gussstahlglocken aus dem Jahr 1917 tragen Inschriften, die auf die Nöte des Ersten Weltkriegs sowie das zeitgleiche Reformationsjubiläum verweisen. Diese Glocken tragen die Stimme der Gemeinde hinaus in die Stadt und sollen Durchhaltevermögen in schweren Zeiten symbolisieren.

Ort der Gemeinde und Kultur

Die Evangelische Kirche am Markt ist weit mehr als ein Museum religiöser Geschichte. Als lebendiges spirituelles Zentrum finden hier regelmäßig sonntags vormittags Gottesdienste statt, die Menschen aller Generationen zusammenführen. Darüber hinaus hat sich die Kirche als beliebter Veranstaltungsort für kulturelle Events etabliert: Konzerte, festliche Feiern und offene Gemeindetreffen beleben den historischen Raum und laden sowohl Gemeindemitglieder als auch Gäste aus der Region ein.

Dank eines engagierten ehrenamtlichen Teams öffnet sich die Kirche außerhalb der Wintermonate regelmäßig an Markttagen und Wochenenden für Besucher. Wer Ruhe sucht, kann hier einen Moment der Besinnung finden oder sich von der handwerklichen Schönheit und historischen Tiefe inspirieren lassen.

Fazit

Die Evangelische Kirche am Markt in Kettwig ist mehr als ein historisches Bauwerk – sie ist ein lebendiger Teil des Lebens im Essener Ruhrtal, ein Ort der Begegnung, der Erinnerungen und der Hoffnung. Vom mittelalterlichen Westturm bis zur modernen Kulturnutzung, von der Luther-Eiche bis zu den Klängen der Glocken – hier schlägt das Herz einer Gemeinde, die ihre Tradition pflegt und gleichzeitig offen bleibt für die Herausforderungen und Chancen der Gegenwart.

Einheimische und Besucher bietet die Marktkirche gleichermaßen einen spannenden Blick in die regionale Geschichte, eingebettet in eine harmonische Landschaft und in der pittoresken Kettwiger Altstadt, die zum Verweilen und zu einer Zeitreise einlädt. Ein Besuch lohnt sich jederzeit – sei es für einen stillen Moment des Gebets, ein inspirierendes Konzert oder einfach zum Staunen über die wechselreiche Geschichte, die in den Steinen der Kirche weiterlebt.

Copyright | Text von Bianca KILLMANN

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