
Foto: Cesar von Meissen
Rat beschließt Verkehrsversuch in Kettwig
Essen, Kettwig, 25. März 2026. Der Rat der Stadt Essen hat am Mittwoch einen Verkehrsversuch beschlossen, der die Verkehrssituation in Kettwig grundlegend untersuchen soll. Für zwölf Monate wird auf der Heiligenhauser Straße und der Ringstraße zwischen August-Thyssen-Straße und Werdener Straße Tempo 30 eingeführt. Die Stadt möchte damit prüfen, wie sich eine reduzierte Höchstgeschwindigkeit auf Sicherheit, Lärm, Verkehrsfluss und den Radverkehr auswirkt. Der Versuch wird wissenschaftlich begleitet und in enger Abstimmung mit dem Landesbetrieb Straßenbau sowie dem Polizeipräsidium Essen/Mülheim umgesetzt. Eine Tempos 30 Zone könnte auch am Baldeneysee zum Gamechanger werden.
Umfassende Datenerhebung
Bevor die neuen Geschwindigkeitsbegrenzungen in Kraft treten, werden zunächst umfangreiche Ausgangsdaten erhoben. Dazu zählen die durchschnittliche und die Spitzenverkehrsbelastung, das Geschwindigkeitsniveau, die Unfallentwicklung der vergangenen drei Jahre sowie die Lärmbelastung tagsüber und nachts. Während des Versuchs sollen diese Werte fortlaufend dokumentiert werden. Ergänzend werden mögliche Verkehrsverlagerungen, Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr und Veränderungen beim Lärm erfasst. Nach Ablauf der zwölf Monate wird eine detaillierte Evaluation erstellt, die dem Ausschuss für Verkehr und Mobilität als Grundlage für weitere Entscheidungen dient.
Kleinere Maßnahmen sofort – größere Projekte nach Ergebnisse
Unabhängig vom Verkehrsversuch hat der Rat beschlossen, die Bushaltestellen „Kettwig vor der Brücke“ am aktuellen Standort barrierefrei auszubauen. Größere Projekte hingegen werden vorerst zurückgestellt. Dazu gehört insbesondere die geplante neue Radverbindung zwischen Panorama- und Ruhrtalradweg, die ursprünglich für mehr Sicherheit und bessere Infrastruktur sorgen sollte. Der Rat möchte zunächst die Ergebnisse des Verkehrsversuchs abwarten, bevor über Bau und Baubeginn entschieden wird.
Blick auf Neubaugebiet und Parkraum
Auch das Neubaugebiet „Berschener Weg“ bleibt im Fokus der Verwaltung. Die Auswirkungen der neuen Wohnbebauung auf den Verkehr sollen fortlaufend beobachtet und in die spätere Bewertung einfließen. Zusätzlich werde geprüft, ob im Umfeld der Heiligenhauser Straße und der Ringstraße weitere Parkmöglichkeiten geschaffen oder bestehende Flächen effizienter genutzt werden können. Die Ergebnisse dieser Prüfungen sollen ebenfalls in die abschließende Evaluation einfließen, die darüber entscheidet, ob Tempo 30 dauerhaft eingeführt wird oder nicht.
Tempo 30 auch am Baldeneysee möglich?
Tempo 30 auf der Freiherr vom Stein Straße am Baldeneysee wäre aus mehreren Gründen sinnvoll und begründbar – sowohl verkehrlich als auch städtebaulich. Die Straße ist eine der am stärksten frequentierten Uferstraßen in Essen und erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie ist Durchgangsstraße, Erholungsraum, Radroute, Fußgängerbereich und Zufahrt zu Freizeiteinrichtungen, Vereinen und Parkplätzen. Genau diese Mischung macht sie zu einem sensiblen Verkehrsraum, in dem eine niedrigere Geschwindigkeit spürbare Vorteile brächte.
Foto: Cesar von Meissen
Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrende
Die Freiherr vom Stein Straße wird intensiv von Menschen genutzt, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind – sei es von und zur S-Bahn-Station Hügel, der Villa Hügel, zum Regattaturm, zu den Parkplätzen, zu den Vereinen, zu den Bootshäusern oder zu den Gastronomiebetrieben. Eine Überquerung der Straße ist mit mitunter ein Sicherheitsrisiko. Gleichzeitig ist der Gehweg stellenweise schmal, und Radfahrende müssen sich die Fahrbahn mit Autos teilen. Eine Reduzierung auf Tempo 30 würde die Reaktionszeiten verlängern, Bremswege verkürzen und Konflikte entschärfen. Gerade im Berufsverkehr, bei schönem Wetter und an Wochenenden, wenn viele Ausflügler unterwegs sind, wäre das ein deutlicher Sicherheitsgewinn.
Entlastung für Erholungssuchende
Der Baldeneysee ist ein wichtiges Erholungsgebiet und touristischer Magnet – und Lärm spielt dort eine große Rolle. Tempo 30 senkt die Geräuschentwicklung spürbar, vor allem bei Beschleunigungsvorgängen und in Kurvenbereichen. Für Spaziergänger, Jogger und Menschen, die am See entspannen möchten, bedeutet das eine angenehmere Aufenthaltsqualität. Alle würden profitieren.
Besserer Verkehrsfluss in sensiblem Bereich
Paradoxerweise kann Tempo 30 den Verkehrsfluss sogar stabilisieren. Die Freiherr vom Stein Straße ist oft durch einparkende bzw. abbiegende Autos, querende Fußgänger und Radfahrende geprägt. Bei Tempo 50 entstehen häufiger abrupte Bremsmanöver und stockender Verkehr. Eine einheitliche, niedrigere Geschwindigkeit führt zu gleichmäßigeren Bewegungen und deutlich weniger Stresssituationen.
Schutz eines touristischen Hotspots
Der Baldeneysee ist einer der wichtigsten Freizeitorte der Stadt. Viele Städte setzen in solchen Bereichen bewusst auf Tempo 30, um den Charakter eines Erholungsraums zu stärken und den Verkehr an die Umgebung anzupassen und nicht umgekehrt. Eine Geschwindigkeitsreduzierung wäre also auch ein städtebauliches Signal: Hier hat der Aufenthalt Vorrang vor dem Durchfahren.
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