Appeltatenkirmes in Essen-Werden fällt kurz vor dem Start aus
Essen, Baldeneysee, 25. August 2026. Nur noch wenige Tage, dann sollten sich auf dem Platz Werdener Feintuchwerke im Essener Stadtteil Werden wieder Karussells drehen, süße Düfte über den Platz ziehen und die typische Kirmesstimmung Klein und Groß anlocken. Doch daraus wird nichts. Wie nun bekannt wurde, ist die traditionsreiche Appeltatenkirmes, die jedes Jahr im Rahmen des Ludgerusfestes stattfindet und die älteste Kirmes der Stadt ist, kurzfristig abgesagt worden. Für viele Menschen in Essen kommt diese Nachricht überraschend, denn der Start des Volksfestes war bereits in greifbarer Nähe.
Absage kurz vor dem geplanten Beginn
Die Entscheidung trifft Schausteller, Stammgäste und das lokale Umfeld gleichermaßen. Gerade weil der Termin bereits nah bevorstand, wiegt die Absage besonders schwer. Kirmes lebt von Vorfreude, Betriebsamkeit und Begegnung. Wenn ein solches Ereignis in letzter Minute wegfällt, betrifft das nicht nur die Besucher, sondern auch jene Betriebe, die mit Fahrgeschäften, Verkaufsständen und gastronomischen Angeboten fest eingeplant hatten.
Ein traditionsreicher Termin im Essener Veranstaltungskalender
Dass ausgerechnet die älteste Kirmes in Essen betroffen ist, verleiht der Entwicklung zusätzliche Bedeutung. Solche Veranstaltungen sind weit mehr als reine Freizeitangebote. Sie gehören vielerorts zur gewachsenen Stadtkultur, verbinden Generationen und schaffen einen Rahmen, in dem sich Alltag und Feststimmung für einige Tage ablösen. Gerade eine traditionsreiche Kirmes wie die Appeltatenkirmes im Werden steht für Verlässlichkeit und Wiedererkennbarkeit. Dinge, die gerade in der heutigen, von Hiobsbotschaften geprägten und schnelllebigen Zeit. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn ein solcher Termin nicht stattfinden kann – auch bei den Schaustellern. „Wir bedauern die Entscheidung unserer teilnehmenden Schausteller natürlich sehr“, erklärt Albert Ritter von der Interessengemeinschaft Schausteller Essen (IGS), hat angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aber auch Verständnis dafür. Ritter weiter: “Eine Kirmes muss für die teilnehmenden Schaustellerbetriebe am Ende wirtschaftlich darstellbar bleiben. Wenn immer höhere Grundkosten auf immer weniger Betriebe verteilt werden müssen, nicht machbar.“
Gründe für die Absage der Appeltatenkirmes
Ein wesentlicher Grund für die Absage sind die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Kosten für die Durchführung der Appeltatenkirmes. Insbesondere die Stromversorgung stellt inzwischen eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Da vor Ort beispielsweise ein entsprechender stationärer Transformator fehlt, entstehen für die notwendigen Stromanschlüsse zusätzliche und mittlerweile erhebliche Kosten durch die immer wieder erneute Aufstellung einer mobilen Anlage. Gleichzeitig ist die Zahl der Bewerbungen von Schaustellerbetrieben für die diesjährige Appeltatenkirmes sehr stark zurückgegangen, um diese Kosten auf ausreichend viele Teilnehmer verteilen zu können. Dadurch erhöhen sich die anteiligen Kosten für jeden einzelnen teilnehmenden Schaustellerbetrieb deutlich. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass mehrere Schaustellerbetriebe die eigentlich zugesagt hatten, ihre Teilnahme an der Appeltatenkirmes nun storniert haben. Hinzu kommen weitere Kosten, unter anderem für die notwendigen Absperr- und Sicherheitsmaßnahmen rund um die Veranstaltung.
Was wir vermissen werden
Gründe, die natürlich nachvollziehbar sind. Doch mit der Absage entfällt auch das, was viele mit einer klassischen Kirmes verbinden: Fahrgeschäfte für Familien und Jugendliche, typische Leckereien, Lichter, Musik und das besondere Flair zwischen Nostalgie und Nervenkitzel, zwischen Basilika St- Ludgerus und Mariengymnasium. Ob Zuckerwatte, kandierte Äpfel oder die vertrauten Buden und Karussells – all das gehört zur Atmosphäre, die ein Volksfest erst vollständig macht. Für Kinder ist es oft ein besonderer Ausflug, für Erwachsene ein Stück Erinnerung an frühere Jahre. Genau dieser emotionale Wert und die Kurzfristigkeit machen die Nachricht so einschneidend.
Belastung auch für die Schausteller
Hinter jeder abgesagten Kirmes stehen auch wirtschaftliche Folgen. Schaustellerbetriebe planen ihre Saison langfristig, koordinieren Transporte, Personal und Standorte und kalkulieren mit Veranstaltungen, die oft fest im Jahresverlauf verankert sind. Fällt ein Termin kurzfristig aus, lässt sich das nur schwer auffangen. Neben dem finanziellen Aspekt geht es auch um Sichtbarkeit, Publikumskontakt und die Pflege einer Tradition, die vielerorts von familiengeführten Betrieben getragen wird.
Fazit
Die kurzfristige Absage zeigt zugleich, mit welchen Herausforderungen selbst etablierte Veranstaltungen haben. Tradition allein garantiert noch keine Durchführung. Gerade bei großen Volksfesten greifen viele Faktoren ineinander, und wenn eine davon ins Wanken gerät, kann das weitreichende Folgen haben wie hier geschehen bei der kurzfristigen Absage der Appelatatenkirmes 2026.. Für das Publikum bleibt nun vor allem die Hoffnung, dass das traditionsreiche Fest in Zukunft wieder an seinen angestammten Ort, dem Platz Werdener Feintuchwerke, in den Veranstaltungskalender von Baldeneysee.Ruhr zurückkehren kann.
Der Essener Schausteller Oliver Müller von der IGS macht allen Fans der Appeltatenkirmes Hoffnung: „Gemeinsam mit den beteiligten Partnern werden wir jetzt versuchen, die Standkosten für die Schausteller wieder auf ein gesundes und wirtschaftlich vertretbares Maß zu bringen. Erste Gespräche mit Westnetz laufen bereits. Gemeinsam hoffen wir sehr, diese viele Jahrhunderte alte Kirmestradition im nächsten Jahr wieder fortführen und die Appeltatenkirmes 2027 wieder ausrichten zu können.“ Die Redaktion von Baldeneysee.Ruhr bleibt an dem Thema dran.









